Freitag, 4. November 2016
Man kennt das aus den depressiven Phasen: Alles ist sinnlos. Wieso überhaupt aufstehen, zur Arbeit gehen, Essen, die ToDo-Liste abarbeiten, spazieren gehen, eine Zukunft planen?

Und immer die Frage: Wieso merken alle anderen das nicht? Wieso merkt ihr nicht, dass alles sinnlos ist? Wieso macht ihr weiter? Und ergibt das für euch Sinn?
Jeden Tag dasselbe: Nach der Arbeit vor die Glotze. (zitiert)
Ich bin in keiner depressiven Phase, aber ich frage mich trotzdem, wieso wir so blind sind. Welchen Sinn ergibt es, dass wir zu Hamsterkäufen aufgerufen werden, während wir an der Werbung für lieferbares Sushi vorbei kommen? Welchen Sinn ergibt es jeden Tag zur Arbeit zu gehen und gleichzeitig damit rechnen zu müssen, dass man in die Luft gesprengt wird? Wir müssen halt unser normales Leben weiter leben. Was ist das? Ist es der Sprengstoffabstrich, wenn ich in ein Flugzeug will? Oder die Tatsache, am Flughafen jedes Mal die Schuhe ausziehen zu müssen… und das Abtasten, das würde normalerweise unter sexuelle Belästigung fallen. Aber wir müssen das tun. So fühlen wir uns sicher und können weitermachen, mit dem was wir so tun.

Soll das alles sein? War’s das schon? Wir brechen aus der Routine aus, wenn wir in ein Flugzeug steigen, die Welt angucken. Vorher Schuhe aus, Sprengstoffabstrich, Abtasten. Zwei Wochen Island. Das muss reichen? Ausgebrochen aus dem Alltag? Dann wieder los. Arbeit, Wohnung sauber halten, die immer länger werdende ToDo-Liste abarbeiten, Sport machen zum fit halten, Nachrichten lesen. ToDo-Listen als Lebenssinn? Ist es das?

Was ergibt Sinn? Man kann doch etwas Besseres mit seiner Zeit anfangen. Besseres, als Pokemon zu fangen. Aber was ist besser? Ich würde vielleicht auch etwas Sinnvolleres tun, als das. Aber was ist das? Ist es sinnvoll, Schwimmen zu gehen, wenn es keinen Wettbewerb gibt, für den man trainiert? Wenn man so selten geht, dass kein Trainingseffekt einsetzt? Wenn man sich manchmal unwohl fühlt, weil man angestarrt wird? (Nein, es ist nicht toll, wenn alle deine Tattoos bewundern… indem sie dich anstarren… selbst während du nackt in der Dusche stehst.)

Klar, ich könnte mich engagieren. Ich bin es nur leid. Ich laufe achtmal jede Woche durch eine Einkaufsstraße. Dort stehen sie: WWF, GreenPeace, Plan international, Ärzte ohne Grenzen. Dann kommen sie, bedrängen mich, Dich brauchen wir jetzt!, ganz nah, ausgestreckte Hand. Ich bin Ronja. Ich kann ihre Hand nicht nehmen. Ich weiß, das ist unhöflich. Aber ich habe Angst vorm Sterben und denke, sie könnte ansteckend sein. Ich will ihren Text nicht hören. Ich kenne den schon. Er heißt Du darfst nur jetzt hier unterschreiben. Es ist nicht möglich, dass du vorher im Internet nachforscht wie seriös Ronja ist. Hilfreich sein ist sowieso nicht so meins. Ich bin häufig irgendwie durcheinander und verstecke mich hinter der Therapie, eigentlich bin ich doch "krank" (naja). Ich sitze im Flugzeug und bin überzeugt, dass der Sauerstoff ausgehen wird. Ich glaube bei Gewitter, ich würde vom Blitz getroffen werden. Im Tunnel ist es zu eng. Im Fahrstuhl auch. Ich lese, wie man herausfinden kann, ob Jemand einen Sprengstoffgürtel trägt. Habe ich Angst, oder wird mir Angst gemacht? Wie kann man überhaupt noch etwas tun, wenn man doch gleichzeitig die ganze Zeit damit rechnet, dass man umkommt? Dann hat es doch wirklich keinen Sinn, noch eine Zukunft zu planen.
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Dienstag, 25. Oktober 2016
Reim des Tages:

Ich trage weiße Socken und bin normalerweise trocken.



Mindestens genauso wichtig:

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Sonntag, 23. Februar 2014
1. Anfang des Jahres die langjährige Beziehung beendet
2. Umzug in eine neue schicke Wohnung mit Wände bunt anmalen und ein bis zwei neuen Möbeln folgt im April (hibbel)
3. BMW gekauft
4. Arm tätowieren lassen (ungeplant, aber trotzdem schnieke)
5. Aus Zeit- und Nervlosigkeit kein Sport im Moment, nur seit Kurzem wieder immermal eine Bahn im Schwimmbad (Das ging vorher wegen der Fertigstellung des Rückentattoos wochenlang auch schon nicht.)
6. Ich war aber ein paar Mal Eislaufen. Ich glaube, ich werde ansatzweise aufhören zu eiern, wenn die Saison zu Ende ist
7. Ich vermisse Facebook nicht
8. Ich vermisse (m)einen Fernseher (jegliche Neuanschaffungen sind auf nach den Umzug verschoben)
9. Ansonsten ist alles wie immer: Ich bin unzusammenhängend, sprunghaft, durcheinander, müde, aufgedreht und freue mich, wenn die Sonne scheint.
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Mittwoch, 1. Januar 2014
Ich habe den Jahreswechsel überlebt. (Zwischenzeitlich dachte ich wirklich, soweit würde es nicht mehr kommen.)

Gestern:
Ich bin erkältet, schon wieder oder immernoch, das weiß ich nicht und spielt auch keine Rolle. Nur die Auswirkungen zählen hier.
Ein paar Minuten vor zwölf machen wir uns auf den Weg zum See - zum Feuerwerk gucken. Es ist furchtbar neblig - Bodensee halt - aber trotzdem. Jetzt machen wir schonmal ein Event aus Silvester und dann werden wir wohl nur drei Raketen sehen, weil der Rest im Nebel untergeht. Na gut, nur wegen Nebel können wir Silvester nicht ausfallen lassen.

Nach zwei Minuten am See stehen geht es direkt los. Es wird verdammt eng in meiner Lunge. Ich huste erstmal, denke, das geht schon. Nein, es geht nicht. Können wir uns woanders hinstellen? Ich denke noch, ich steh halt zu sehr im Qualm, beiseite gehen wird das Problem lösen. Wir wechseln den Standort. Nichts ändert sich. Verdammt, ich kriege wirklich keine Luft mehr. So langsam werde ich panisch. Das Asthma-Spray liegt im Hotel, acht Minuten Fußweg entfernt. Wir müssen zurück, ich kriege keine Luft mehr. Der Mitbewohner guckt besorgt, zieht mich mit sich, will mich sogar tragen, weil ich nicht mehr so aussehe, als würde ich das alleine schaffen. Ich will nicht getragen werden, das schaffe ich noch... Ich bin nur noch am Husten, habe das Gefühl, da kommt gar kein Sauerstoff mehr an, frage mich wie lange ich ohne Sauerstoff weitergehen kann, wann man eigentlich umfällt. Verfluche mich dafür, niemals an dem irgendwann mal vorgeschlagenen Kurs meiner Krankenkasse teilgenommen zu haben, wie man sich eigentlich im Notfall verhält. Überlege, ob ich mich gleich hier auf den Platz lege und einen Arzt holen lasse. Aber das will ich doch nicht, der Mitbewohner sagt, es ist nicht mehr weit. Trotz fehlender Orientierung weiß ich, dass er lügt. Ich werde heute sterben, mitten in Konstanz während um mich herum gerade die Feuerwerke losgehen. Das neue Jahr hat begonnen, wir erreichen das Hotel. Der Mitbewohner hilft mir mit dem Schal, der mir die Luft raubt und kippt den Inhalt meiner Tasche aus, um das Spray zu finden. Das hilft nicht, ich bin immernoch in Panik. Er sagt, ich soll mich beruhigen, kann ich aber nicht. Ich will einfach nicht draufgehen und das fühlt sich im Moment sehr danach an. Ich versuche zu atmen und das geht jetzt doch wieder ein bischen. Ich glaube, ein bischen Sauerstoff zu bekommen, obwohl ich die Luft wieder aushuste. Ich will frische Luft, gehe auf die Terasse, dort ist es so verqualmt und stickig, dass mir direkt wieder die Luft weg bleibt. Ich gehe wieder nach drinnen, lasse das Fenster zu. Erinnere mich an meine Platzangst, will hier eigentlich raus. Das geht aber nicht, draußen ist die Luft unatembar. Setze mich ins Bad, dort gibt es eine Lüftung, die scheinbar Sauerstoff produziert.

Halb eins sitze ich auf dem Rand der Badewanne und glaube, überlebt zu haben. Ich weiß nur nicht, wie ich diesen Ort verlassen kann, die Welt außerhalb erscheint mir sauerstofffrei. Der Blick aus dem Fenster verrät, dass es draußen von Minute zu Minute stickiger wird, ich fühle mich eingesperrt. Ich frage mich, wie das passieren konnte. Ich wusste nicht, dass es wirklich so weit kommen kann. Ich will nicht so krank sein.

Noch vor eins kann ich das Bad wieder verlassen, liege auf dem Hotelbett und trinke das Neujahrsbier. Halb zwei traue ich mich wieder nach draußen und finde frische Luft vor.

2014 kann jetzt nur noch besser werden.
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Samstag, 28. Dezember 2013
Heute

- habe ich mein Telefon in einer Umkleidekabine liegen lassen. Es war noch da, als mir der Verlust fünf Minuten später auffiel – das wäre sonst die teuerste Jeans meines Lebens geworden. Ich habe auf genau diesem Weg schon einen MP3-Player, eine Holzsonne und mindestens drei Sonnenbrillen verloren.
- habe ich meinen meinVZ Account gelöscht. Dort hatte ich nur 5 Freunde und es war seit mindestens einem Jahr nichts mehr passiert.
- habe ich alles aus meinem Facebook Konto gelöscht und es dann deaktiviert – dort hatte ich 43 Freunde. Beim Deaktivieren sagte mir Facebook Deine Freunde werden dich vermissen und begann sie einzeln aufzulisten – passenderweise war Platz Nummer 1 jemand, der seit über einem Jahr tot ist – da ist das Vermissen wohl eher auf meiner Seite. Die machen es Einem aber auch leicht
- ist mein Telefon seit zwei Stunden nicht mehr im Netz und die Hotline erst am Montag wieder besetzt. Die Rechnung ist aber bezahlt, es gibt also keinen Grund mich abzuschalten. Das ist doof, am Ende denken die Leute noch, es wäre etwas passiert, weil ich aus dem Facebook weg bin und schaffen dann auch keinen telefonischen Kontakt mehr zu mir. Mails gehen aber noch. Die Rechnung für das Internet zahlt der Mitbewohner.

Gestern

- stand ich vor dem Völkerschlachtdenkmal und habe mich erinnert, dass es nahezu nichts Besseres gibt, als vor diesem monumentalen Gebäude zu stehen und zu Staunen
- habe ich meinen besten Freund getroffen, dem es mit dem Denkmal ebenso geht, weshalb ich nachher gleich zweimal dort war (beim zweiten mal mit Sonnenuntergang)
- habe ich das Buch Das Drama des begabten Kindes geschenkt bekommen, mich aber trotz fünf Stunden Zugfahrt noch nicht getraut darin zu lesen
- habe ich mal eben beschlossen, dass man direkt zum Jahresbeginn ausprobieren könnte, einen Monat Veganer zu sein. Ein Erstversuch heute bei Subway war eindrucksvoll, aber ist geglückt. (Unter der Annahme, dass das Vollkornbrot vegan war und mit der Konsequenz nach drei Stunden wieder Hunger gehabt zu haben)

Morgen

- werde ich hoffentlich wieder telefonieren können. Ich muss unbedingt noch eine Freundin beglückwünschen, dass sie es vor mir geschafft hat ihr Facebook zu deaktivieren, aber das geht jetzt nur noch per Telefon. Wir unterhielten uns kürzlich darüber.

Montag

- fahre ich dann erstmal wieder ein paar Tage weg

An all diesen Tagen

- höre ich mir Hurt von Johnny Cash an und finde das zwar melancholisch aber irgendwie erdend

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edit: Das Facebook-Deaktivieren hat keine dramatischen Gründe, wie man vielleicht vermuten könnte. Es hat mich in letzter Zeit nur irgendwie abgef****, also werfe ich es aus meinem Leben. Das ist einfach Teil der Jahresendinventur.

edit2: Doppelter Neustart und Rausnehmen bzw. Wiedereinsetzen der Simkarte brachte mich soeben wieder an die Telefonleitung.
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